Frozen Shoulder - Was man als Patient darüber wissen muss!



Frozen Shoulder ist nicht nur ein körperliches Leiden sondern schlägt auch enorm auf die Seele.



Viele Betroffene fragen sich selbst, ob diese Schmerzen und Beeinträchtigungen jemals besser werden.


Was eine Frozen Shoulder ist und was in der Therapie gemacht wird, erfährt ihr hier!




Wie erkennt man eine Frozen Shoulder? - Symptome [1, 10]



Eine Frozen Shoulder, auch häufig Adhäsive Kapsulitis bezeichnet ist eigentlich eine Ausschlussdiagnose.


Meistens haben Personen bereits seit langem Probleme und man kommt erst durch zahlreiche Untersuchungen darauf, dass es sich um eine Frozen Shoulder handeln muss, weil keine andere Diagnose passt.


Das muss sich in meinen Augen aber ändern! Denn die Behandlung einer Frozen Shoulder, benötigt einen völlig anderen Ansatz als jegliche andere Schulterprobleme.




Symptome einer Frozen Shoulder



  • massive Bewegungseinschränkung der Schulter in alle Richtungen (aktiv & passiv)


  • sehr starke Nachtschmerzen


  • enorm starke Schmerzen bei oft kleinen, ruckartigen Bewegungen





Sieht man die Frozen Shoulder in einer Bildgebung?

Wie bereits erwähnt - es ist eine Ausschlussdiagnose, denn man findet oft nicht wirklich etwas auffälliges.

Die Bildgebung wird allerdings trotzdem empfohlen, um schwerwiegende Pathologien ausschließen zu können.

Auf Röntgen Bildern sieht man meistens keine oder nur leichte strukturelle Probleme.

Auf alle Fälle sehr selten etwas, das für die schweren Symptome verantwortlich gemacht werden kann.

Beim MRT lassen sich häufig folgende Veränderungen erkennen, die einen Hinweis auf eine Frozen Shoulder geben können:

  • Verdicktes coracohumerales Band

  • Verdickung der Gelenkskapsel und der Synovialen Membran in Recessus Axillaris

  • Glenohumerale Synovitis

  • Tenosynovitis des Langen Biceps


Wer bekommt eine Frozen Shoulder? - Risiko Faktoren [2-9]


Es gibt einige Faktoren die bei Personen mit Frozen Shoulder häufig vorkommen.


Alter

Das typische Alter für den Beginn einer Frozen Shoulder ist zwischen 40-65 Jahren.

Geschlecht

Oft wird erwähnt, dass die Verteilung zwischen Frauen und Männern ca. 3:1 ist.

Dies ist jedoch nicht wirklich geklärt.

Diabetes Mellitus (DM)

DM oder informell „Zuckerkrankheit“ zählt zu den Big Ticket Items. (bedeutet ein deutlich erhöhtes Risiko) Bis zu 46% der Personen die an „Zucker“ leiden, entwickeln eine Frozen Shoulder. Diabetiker haben ein 5x höheres Risiko eine FS zu bekommen.

Und Diabetiker die Insulin spritzen müssen, sind nochmals häufiger betroffen.

Adipositas

Wie bei so vielen anderen Erkrankungen ist auch bei Frozen Shoulder massives Übergewicht ein Risikofaktor. 82% der PatientInnen mit FS sind auch stark Übergewichtig.

Genetik

30% der Betroffenen mit Frozen Shoulder, haben auch einen Verwandten ersten Grades mit Frozen Shoulder.

Personen die in der Familiengeschichte jemanden mit FS haben, haben eine 4x höhere Wahrscheinlichkeit selbst eine zu bekommen.

Die Vererbbarkeit wird auf satte 42% geschätzt.

Neurologische Erkrankungen

13% der Personen die an Parkinson erkrankt sind weisen auch eine Frozen Shoulder auf.

Bei 8% der Parkinson-Erkrankten war Frozen Shoulder sogar das erste Symptom.

Häufig entwickeln auch Personen nach einem Schlaganfall eine Frozen Shoulder.

Operation der Schulter

11% der PatientInnen entwickeln nach einer Schulteroperation eine postoperative Frozen Shoulder.

Operation der Rotatorenmanschette

5% der Operierten entwickeln nach der Operation Zeichen und Symptome einer FS.

Risikofaktoren für eine post Operative Schultersteife sind:

  • Frozen Shoulder vor der OP

  • Kalkschulter vor der OP (Tendinitis Calcarea)

  • OP einer einzelnen Sehne

  • OP einer Teilruptur

  • <50 Jahren alt

  • gut bezahlter Krankenstand

Operation SAD (Subacromiale Dekompression)

5,5% entwickeln danach eine Frozen Shoulder.

Die Subacromiale Dekompression ist wohl eine der häufigst durchgeführten Operationen der Schulter.

Aber zusätzlich häufig nicht besser als qualitativ hochwertige Physiotherapie im 1 Jahres Vergleich.

VERLAUF [10]


Dies ist meiner Meinung nach gemeinsam mit der Prognose einer der wichtigsten Punkte für TherapeutInnen als auch PatientInnen.

Häufig hört man, dass eine Frozen Shoulder in 3 Stadien zu je 3 Monaten abläuft:

1️⃣ Freezing: Schmerzen beginnt und wird maximal

2️⃣ Frozen: Beweglichkeit wird immer weniger/ kaum Schmerz

3️⃣ Auftauen: kein Schmerz mehr, Beweglichkeit wird wieder besser


Dies ist allerdings nicht immer so und eher eine „veraltete“ Richtlinie!

Die Zeiten der jeweiligen Phasen können stark variieren.

Viele PatientInnen haben oftmals auch mehrer Phasen in denen jeweils alle Symptome vorhanden sind.



Daher ist eine alternative Einteilung von Lewis J. wie folgt:

🔸 Schmerz > Bewegungseinschränkung

🔸 Bewegungseinschränkung > Schmerz

🔸 Auflösung

PROGNOSE [11]


Die durchschnittliche Dauer einer Frozen Shoulder wird mit 30 Monaten angegeben. 😳


Die Varianz ist allerdings sehr groß: 12-42 Monate


Der „natürliche Verlauf“ ist auf alle Fälle positiv.


Viele verbessern sich innerhalb des ersten Jahres enorm. Und das auch ohne Therapie!

Das ist eine gute Nachricht für alle mit FS!





☝️Aber ca. 40% der Betroffenen leiden noch 4 Jahre nach Beginn an Restsymptomen.

Nichts wird von alleine ideal. Man muss daran arbeiten und regelmäßig Stretchen, Trainieren und den Lifestyle anpassen.

THERAPIE


In jeder Therapie gibt es 4 primär wichtige Punkte (Louis Gifford) die jede Person (egal welche Diagnose) beantwortet haben will.

  • Genaue Diagnose

  • Was ist mein Problem?

  • Erklärung zum natürlichen Verlauf

  • Wie lang wird es dauern, bis es besser ist?

  • Selbstmanagement

  • Kann ich selbst etwas machen, damit es besser wird?

  • Aktive Therapie

  • Was kannst du als Physiotherapeut für mich machen?

Was ist für PatientInnen mit Frozen Shoulder wichtig?



1) Edukation/ Schulung und Ratschläge zum Selbstmanagement


Aufklärung zu Ursache, Ernsthaftigkeit und erwartetem Ausgang einer Frozen Shoulder. Möglichst kurze Verzögerung bis zur genauen Diagnose. Weil eine lange Verzögerung kann zu Verwirrung und Ängsten führen, die wiederum hinderlich sind. Verständliche, rechtzeitige und genaue Information.

2) Anregung zu jeglicher Bewegung (allgemein und auch mit dem Arm selbst)


Allgemeine Bewegung wie aerobe Ausdauer können auch schmerzlindernd sein. Auch Bewegungen des betroffenen Arms sollten nicht vermieden werden. Schmerzen bedeuten NICHT, dass die Situation schlimmer wird. Eine chronische Schonhaltung führt im Gegensatz aber zu einer Verschlechterung.

3) Load It!


Ein wichtiger Punkt - denn viele mit Frozen Shoulder denken, dass der Arm nichts mehr aushält. Das führt wiederum zu Ängsten und zur Verschlechterung. Deshalb sind sowohl Stretching als auch klassische (angepasste) Kraftübungen sehr wichtig. Stretching kann bereits zu Beginn niedrig dosiert eingesetzt werden, um die Beweglichkeit so gut wie möglich zu halten. Sobald die Schulterschmerzen nicht mehr leicht irritiert werden können, steigert man die Intensität bis hin zu sogenanntem Strength Stretching. Krafttraining für die Rotatorenmanschette ist zusätzlich zu allgemeinen Kraftübungen sinnvoll. Allgemeine Kraftübungen werden von mir meist in einer gesamten Bewegungskette durchgeführt. Das hilft einen größeren Bewegungsumfang zu erreichen solange die Schulter noch stark eingeschränkt ist. Gleichzeitig verleiht es das Gefühl mehr und härter Trainieren zu können und lenkt den Fokus weg von der Schulter selbst.


KEY POINTS


  1. Frozen Shoulder/ Adhäsive Capsulitis ist ein Beschwerdebild, welches sehr langwierig ist und deshalb mental schwierig zu verarbeiten ist.

  2. Frozen Shoulder ist eine Ausschlussdiagnose und wird in vielen Fällen zu spät erkannt. Es gibt keinen eigenen Test/ Untersuchung, welche eine Frozen Shoulder mit Sicherheit diagnostiziert. Daher ist eine genaue Anamnese, Wissen über das Krankheitsbild essentiell wichtig.

  3. Die Durchschnittsdauer beträgt 30 Monate bis die Symptome weitgehend abgeklungen sind. Die Varianz der Dauer ist allerdings sehr groß: 12-42 Monate Aber selbst 4 Jahre nach Beginn, haben 40% der Betroffenen noch eine Restsymptomatik.

  4. Die primäre Therapiemethode sollte Physiotherapie sein. Über Kortisoninfiltrationen kann man speziell in der Anfangsphase nachdenken und sollte gemeinsam mit einem Orthopäden abgeklärt werden.

  5. Hauptfokuspunkte der Physio sind dabei:

  6. Sehr viel Aufklärung über das Krankheitsbild (Verlauf, Prognose)

  7. Selbstmanagement

  8. Training: Stretching/ Mobilisation, Kräftigung, Ausdauer

Quellen:

[1]Tamai, K., Akutsu, M., & Yano, Y. (2014). Primary frozen shoulder: brief review of pathology and imaging abnormalities. J Orthop Sci, 19(1), 1-5. doi:10.1007/s00776-013-0495-x

[2] Kingston, K., Curry, E. J., Galvin, J. W., & Li, X. (2018). Shoulder adhesive capsulitis: epidemiology and predictors of surgery. J Shoulder Elbow Surg, 27(8), 1437-1443. doi:10.1016/j.jse.2018.04.004


[3] White, D., Choi, H., Peloquin, C., Zhu, Y., & Zhang, Y. (2011). Secular trend of adhesive capsulitis. Arthritis Care Res (Hoboken), 63(11), 1571-1575. doi:10.1002/acr.20590

[4] Riley, D. e. a. (1989). Frozen shoulder and other shoulder disturbances in Parkinson'sdisease. Journal of neurology, neurosurgery and psychiatry, 52.


[5] Zhu, Y., Su, B., Li, N., & Jin, H. (2013). Pain management of hemiplegic shoulder pain post stroke in patients from Nanjing, China. Neural Regen Res, 8(25), 2389-2398. doi:10.3969/j.issn.1673-5374.2013.25.010

[6] Lo, S. F., Chu, S. W., Muo, C. H., Meng, N. H., Chou, L. W., Huang, W. C., . . . Sung, F. C. (2014). Diabetes mellitus and accompanying hyperlipidemia are independent risk factors for adhesive capsulitis: a nationwide population-based cohort study (version 2). Rheumatol Int, 34(1), 67-74. doi:10.1007/s00296-013- 2847-4


[7] Huberty, D. P., Schoolfield, J. D., Brady, P. C., Vadala, A. P., Arrigoni, P., & Burkhart, S. S. (2009). Incidence and

treatment of postoperative stiffness following arthroscopic rotator cuff repair. Arthroscopy, 25(8),

880-890. doi:10.1016/j.arthro.2009.01.018

[8] Evans, J. P. e. a. (2015). Frozen shoulder after simple arthroscopic shoulder procedures. The Bone and Joint Journal. doi:10.1302/0301-620X.97B7


[9] Koorevaar, R. C. T., Van't Riet, E., Ipskamp, M., & Bulstra, S. K. (2017). Incidence and prognostic factors for postoperative frozen shoulder after shoulder surgery: a prospective cohort study. Arch Orthop Trauma Surg, 137(3), 293-301. doi:10.1007/s00402-016-2589-3


[10] Lewis J. Frozen shoulder contracture syndrome - Aetiology, diagnosis and management. Man Ther. 2015;20(1):2-9. doi:10.1016/j.math.2014.07.006


[11] Hand C (2008) Long-term outcome of frozen shoulder. J Shoulder Elbow Surg. Mar-Apr 2008;17(2):231-6

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